Liquiditätsplanung beantwortet eine einzige Frage: Reicht das Geld auf dem Konto für alles, was in den nächsten Wochen und Monaten fällig wird? Für ein SaaS-Unternehmen ist diese Frage leichter zu beantworten als für fast jede andere Branche, denn der größte Teil der Einzahlungen steht als Abo-Verlängerung längst im Billing-System. Trotzdem entsteht die typische Liquiditätsplanung als Excel-Tabelle, die nach ein paar Wochen niemand mehr pflegt. Dieser Leitfaden zeigt, wie du einen Liquiditätsplan erstellst, woran er in der Praxis scheitert und wie er aktuell bleibt, ohne dass du ihn jede Woche neu baust.

Gewinn ist eine Meinung, Liquidität ein Fakt
Ein Unternehmen gerät nicht in die Insolvenz, weil der Gewinn fehlt, sondern weil das Geld fehlt. Zahlungsunfähigkeit ist ein Insolvenzgrund, ein unprofitables Jahr nicht. Deshalb reicht die Gewinn- und Verlustrechnung für die Steuerung nicht aus: Sie zeigt, ob sich dein Geschäft rechnet, aber nicht, ob du am 28. die Gehälter zahlen kannst.
Gerade bei SaaS klaffen die beiden Sichten weit auseinander. Ein Jahresvertrag landet als eine große Zahlung auf dem Konto, zählt in der GuV aber über zwölf Monate verteilt. Umgekehrt ziehen Umsatzsteuer-Voranmeldung, Gehälter und die Jahresrechnungen deiner Anbieter an festen Tagen Geld ab, egal wie das Quartal läuft. Ein Unternehmen kann auf dem Papier profitabel sein und trotzdem an einem einzelnen Dienstag kein Geld haben. Wie du GuV und Cashflow zusammen liest, steht in So liest du deine SaaS-P&L und deinen Cashflow; die Liquiditätsplanung ist das Werkzeug für die zweite Hälfte davon.
Liquiditätsplan erstellen: die fünf Schritte
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Starte beim Anfangsbestand. Das ist der heutige Stand über alle Geschäftskonten, nicht der Saldo aus der Buchhaltung. Wenn Geld auf einem Tagesgeldkonto oder bei einem Zahlungsanbieter liegt, gehört es dazu, mit einem Vermerk, wie schnell du herankommst.
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Trage die Einzahlungen ein. Hier hat ein Abo-Geschäft seinen unfairen Vorteil: Jedes aktive Abo hat einen Betrag und ein Verlängerungsdatum, Trials haben ein Konvertierungsdatum, Kündigungen sind oft Wochen vorher bekannt. Exportiere diese Daten aus deinem Billing-System und verschiebe jede erwartete Zahlung um den Weg, den sie bis zum Konto braucht. Kartenzahlungen kommen über den Auszahlungsrhythmus deines Zahlungsanbieters an, Rechnungen per Überweisung im Tempo des Kunden. Die Details dazu stehen in Cashflow-Prognose aus Stripe.
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Trage die Auszahlungen ein. Gehälter, Miete, Tool-Abos, Steuervorauszahlungen, die Umsatzsteuer-Voranmeldung (fällig am 10. des Folgemonats, mit Dauerfristverlängerung einen Monat später) und die eine große Anbieter-Jahresrechnung, die in keinem Monatsbudget steht. Nimm die Beträge brutto und lege sie auf die Tage, an denen sie tatsächlich abgebucht werden.
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Schreibe den Saldo fort. Für die nächsten Wochen lohnt sich Tagesauflösung, denn Liquiditätsprobleme passieren an Tagen, nicht in Monaten. Üblich sind 13 Wochen im Detail (ein Quartal) und darüber hinaus eine gröbere Monatssicht bis Jahresende. Wo die Linie ihren tiefsten Punkt erreicht, gehört deine Aufmerksamkeit hin: Das ist der Moment, an dem eine verschobene Zahlung wehtut.
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Bleib dran. Ein Liquiditätsplan ist kein Dokument, sondern ein Prozess. Jedes Upgrade, jede Kündigung und jeder neue Deal verändert die Einzahlungsseite. Ein Plan vom letzten Monat ist keine Planung mehr, sondern Archäologie.
Woran der Excel-Plan scheitert
Nicht am Anfang. Eine Tabelle mit Wochen- oder Monatsspalten ist der richtige erste Schritt, und wenn das Geld knapp ist, bau sie heute. Sie scheitert am fünften Schritt: Der Export aus dem Billing-System veraltet mit der ersten Vertragsänderung, und der wöchentliche Neubau unterbleibt genau in der Woche, in der es stressig wird. Dann driftet die Planung zurück in grobe Monatszellen mit Schätzwerten.
Die Monatszelle hat einen zweiten Haken: Sie mittelt das Timing weg. Ein Monat kann in Summe positiv aussehen, während die großen Eingänge erst nach den Gehältern kommen. Wer nur Monatssummen plant, sieht solche Lücken nicht, bis das Konto sie zeigt.
BWA und Kontostand blicken zurück
Viele Gründer verlassen sich auf zwei Zahlen: den Kontostand und die BWA vom Steuerberater. Beide sind nützlich, beide blicken in die falsche Richtung. Die BWA (in Deutschland meist aus DATEV) fasst zusammen, was im letzten Monat passiert ist, und kommt oft erst Wochen später. Der Kontostand zeigt heute, aber nicht, was in den nächsten sechs Wochen fällig wird. Liquiditätsplanung ist die dritte Sicht, die nach vorn: dieselben Zahlen, angeordnet als Antwort auf die Frage, wie lange das Geld reicht und wann es eng wird.
Liquiditätsplanung, die sich selbst aktualisiert
Für den fünften Schritt haben wir SaaSFlow gebaut. Verbinde Stripe und deine Bankkonten, und die Einzahlungsseite entsteht automatisch: Jede anstehende Abo-Verlängerung erscheint als Projektion an dem Tag, an dem sie abgerechnet wird, beginnend beim echten Kontostand. Die Ausgabenseite ergänzt du als geplante Transaktionen, einmalig oder wiederkehrend: Gehälter, Miete, die Einstellung ab Q3. Das Ergebnis ist eine tagesgenaue Liquiditätsplanung, die jede Vertragsänderung noch am selben Tag abbildet, ohne Neubau.
Und weil die Planung auf denselben Live-Daten sitzt wie dein MRR und deine Echtzeit-P&L, passt die Liquiditätssicht immer zu den Wachstumszahlen daneben. Unternehmen unter €10.000 MRR nutzen SaaSFlow kostenlos, ohne Kreditkarte.